Die Feldlerche ist "Vogel des Jahres 2019"

Typischer Agrarvogel im Sinkflug

Foto: Peter Lindel
Foto: Peter Lindel

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Feldlerche (Alauda arvensis) so häufig, dass Johann Friedrich Naumann, der Begründer der wissenschaftlichen Vogelkunde in Mitteleuropa, die Feldlerche in seinem Werk „Beschreibung der Vögel“ als Allerweltsvogel, den man nicht übersehen kann, beschrieb. Heute kann man sich glücklich schätzen, wenn man in unserer intensiven Monokulturlandschaft eine Feldlerche hört. Um sie gar zu sehen, muss man dem typischen Fluggesang des Männchens aus trillernden, zirpenden und rollenden Lauten folgen und Geduld haben. Denn das Männchen trällert sein Lied in 50 - 200 m Höhe bis zu 5 Minuten lang und ist mit bloßem Auge nur am Anfang und Ende seines Auftrittes zu sehen. Dafür kann man die Feldlerche in Niedersachsen ab März bis Juli von der Morgendämmerung bis zum Abend durchgängig akustisch wahrnehmen. Sollte man in den Genuss kommen einen braun gestreiften Vogel in der Agrarlandschaft auffliegen zu sehen, kann man die Feldlerche sehr gut an den weißen Seitenkanten ihres Schwanzes erkennen.

 

 

Wie es der Name schon sagt, bevorzugt die Feldlerche weitläufige Feldfluren als Lebensraum Ursprünglich bewohnte sie alle natürlich baumfreien Lebensräume. Durch Entstehung von Heiden, Wiesen, Weiden und Äckern, konnte die Feldlerche sich als Kulturfolger stark ausbreiten und wurde zu einer der häufigsten Vogelarten Deutschlands. Idealerweise besteht ein Lebensraum der Feldlerche aus einem Mosaik von verschiedenen Offenlandnutzungen mit einer Vegetationshöhe von 20 - 50 cm, deren Pflanzenbestand nicht all zu dicht ist und Flächen mit unterschiedlichsten Ackerfrüchten zur Nahrungsbeschaffung. Lebensräume mit diesen Voraussetzungen sind ab Anfang des 20. Jahrhunderts immer weniger geworden, sodass zu diesem Zeitpunkt ein langfristiger Rückgang des Feldlerchenbestands eintrat. In den 1960er Jahren verschärfte sich der Rückgang, aufgrund zunehmender Intensivierung der Landwirtschaft. Zwischen 1998 und 2015 reduzierte sich der Bestand um 38 %. Dieser extreme Rückgang ist auch der Grund dafür, dass die Feldlerche von der Vorwarnliste der „Roten Liste der Brutvögel Deutschlands“ aus dem Jahre 1998 in die Kategorie 3 „gefährdet“ gerutscht ist. Die Ursache für diesen extremen Rückgang ist der großflächige Lebensraumverlust durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Der Getreideanbau hat sich von Sommergetreide hin zu ertragreicherem Wintergetreide entwickelt. Neue Sorten, Pestizide und Dünger haben dies möglich gemacht. Wintergetreide wird früh im Jahr sehr hoch, und was des Landwirts Freude ist, ist des Vogels Leid. Nach höchstens einer Brut im Frühjahr ist die Vegetation so hoch, dass die Feldlerchen keine Landemöglichkeiten mehr finden und Fressfeinde sich einfacher anschleichen können. Die Feldlerchen weichen in der Folge auf vegetationsfreie Fahrspuren auf, wo ihre Nester bei der nächsten Feldbearbeitung zerstört oder Opfer von Nesträubern werden. Eine weitere entscheidende Veränderung ist die Wiederaufnahme von Brachen in die Bewirtschaftung für den Maisanbau. Brachen boten die ganze Brutperiode über ideale Lebensraumbedingungen, Mais jedoch macht eine Brut nahezu unmöglich und bietet zudem keine Nahrungsmöglichkeiten. Im Jahr 1990 hielten sich Brachen und Maisanbauflächen die Waage, 2010 gab es bereits 20 Mal mehr Maisflächen als Brachen. Neben Brachen gehen auch Extensivgrünland und Heiden als Lebensraum verloren. Extensiv bewirtschaftetes Grünland mit idealer Vegetationshöhe und wenig Weidetieren bzw. wenigen Mahdterminen ist heute selten zu finden. Stattdessen werden schnell- und hochwüchsige Wirtschaftsgräser angebaut, die bis zu 6 Mal im Jahr abgemäht werden und Feldlerchen somit keinen Schutz bieten. Heiden sind aufgrund der Nutzungsaufgabe und durch zunehmende Nährstoffe in Luft und Wasser sukzessive verbuscht und aus ihnen sind Wälder entstanden, die von der Feldlerche nicht als Lebensraum genutzt werden.

 

 

Wie kann die Feldlerche geschützt werden? Feldlerchenschutz bedeutet grundsätzlich Schutz und Verbesserung des Lebensraums. Hierfür sollten Brachen geschaffen werden (ca. 10 % des Ackeranteils), intensives Grünland extensiviert werden und Mosaike aus Feldfrüchten, Sommer- und Wintergetreide, Brachen sowie Wiesen und Weiden entwickelt werden, die den Feldvögeln generell Lebensraum und Nahrung bieten. Jeder Landbesitzer oder Landwirt kann mit sogenannten „Lerchenfenstern“ oder „Erbsenfenstern“ geeigneten Lebensraum bieten ohne große Ertragsverluste zu verschreiben. Für die „Lerchenfenster“ wird auf einer 20 m² großen Fläche einfach auf die Einsaat der Feldfrucht verzichtet, sodass dort geeignete Stellen für Feldlerchen entstehen. In den idealerweise 40x40 m² großen „Erbsenfenstern“ werden nicht nur Offenstellen geschaffen, sondern zusätzlich Erbsen gesät, die ganz natürlich den Boden düngen.

 

 

Wir Bürger müssen der Politik klarmachen, dass ein größerer Teil unserer Steuern für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in Höhe von 114 € im Jahr für den Schutz von Feldvögeln genutzt werden muss. Der NABU hat mit der

114 €-Postkarte eine tolle Aktion gestartet mit der wir unsere Wünsche bei unserem EU-Abgeordneten äußern können.

mehr zum Vogel des Jahres finden Sie unter folgendem Link:  https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/index.html

 


Der Star ist "Vogel des Jahres 2018"

Echte Starqualitäten

Starenmännchen im Prachtkleid - Foto: Marc Scharping
Starenmännchen im Prachtkleid - Foto: Marc Scharping

Der Star (Sturnus vulgaris) ist bisher wie auch schon das Artepitheton „vulgaris" (gemein, gewöhnlich) verrät, ein häufiger und weit verbreiteter Vogel.  Gewöhnlich ist er allerdings nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen ist er eine echte Attraktion. Zur Brutzeit schillert sein Federkleid in den verschiedensten Farbnuancen und ab dem Spätsommer bildet er gemeinsam mit seinen Artgenossen spektakuläre Schwärme mit bis zu 1.000.000 Individuen. In der Nähe seines Brutplatzes unterhält er uns mit seinem "schrägen" Gesang, welcher häufig perfekte Imitationen anderer Vogelarten beinhaltet.

 

 

Der Star ist ein Vorzeigebeispiel für den Rückgang der „häufigen" Vogelarten. Im Jahr 2007 war er in Niedersachsen noch mit ca. 450.000 Brutpaaren vorhanden. Bis zum Jahr 2015 sank diese Zahl bereits auf 420.000 Brutpaare. Der Brutvogelbestand ist stark abnehmend, was auch dazu führte, dass der Star sowohl auf der Roten Liste Niedersachsens als auch Deutschlands als gefährdet (Schutzstatus 3) eingestuft wurde.

 

Der hauptsächliche Grund für den Rückgang des Stares ist die Nutzungsintensivierung seines Lebensraums. Der Star benötigt zur Brut Baumhöhlen möglichst in der Nähe von Nahrungsflächen mit relativ kurzer Vegetation wie Weiden und extensiv gepflegte Wiesen, in denen er Würmer und Insekten findet. Allerdings sind Feldgehölze oder alte Bäume beim Anbau von Getreide und Energiepflanzen in Monokulturen nicht erwünscht, sodass immer mehr natürliche Nistmöglichkeiten für den Star verloren gehen. Dazu kommt die Haltung von Nutztieren in abgeriegelten Riesenställen, die Weiden mit einem großen Insektenreichtum ersetzen und somit Nahrungsräume zerstören.

 

Heute stellen Parks und Friedhöfe mit ihren alten und höhlenreichen Bäumen sowie kurzrasigen Wiesen einen wichtigen Ersatzlebensraum dar. Aber auch im eigenen Garten können durch Anbringung von Nisthilfen (Starenkasten) sowie durch ökologisches Gärtnern ohne Pflanzenschutzmittel und Insektizide Ersatzlebensräume entstehen. Wir können also zum Teil selbst bestimmen, ob dieser spektakuläre Vogel weiterhin unsere Landschaft als Lebensraum nutz und uns mit seinem Aussehen und Gesang erfreut.

 

Weitere Informationen über den Vogel des Jahres finden sie in der nachfolgenden Broschüre und unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/star/index.html?werbecode=header

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Broschüre zum Star - Vogel des Jahres 2018
nabu_vdj2018_broschuere.pdf
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