Trauerschnäpper-Männchen mit weißem Stirnfleck (Foto: Steve Garvie)
Trauerschnäpper-Männchen mit weißem Stirnfleck (Foto: Steve Garvie)

Dötlinger Trauerschnäppermeile

(ein experimentelles Naturschutz-Projekt der Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen)

 

Auf der Suche nach Ansatzpunkten für Tätigkeiten zur Unterstützung der Natur wurden wir auf die Probleme des Trauerschnäppers bei der Suche nach Nistmöglichkeiten und seine aktuelle Gefährdungssituation aufmerksam.

 

Der Trauerschnäpper wurde bisher in den Roten Listen Niedersachsen und Region Tiefland West auf der Vorwarnliste geführt. Bundesweit findet er sich in der aktuellen Liste 2016 nunmehr in der Kategorie 3. Diese Gefährdung resultiert teilweise daher, dass der spät aus dem Überwinterungsquartier zurückkehrende Trauerschnäpper Probleme hat, geeignete Nistmöglichkeiten zu finden. Da er hierbei stark mit den schon frühzeitig mit dem Brutgeschäft beginnenden Blau- und Kohlmeisen in Konkurrenz steht, fehlt es bei seiner Ankunft an einer ausreichenden Anzahl geeigneter, unbesetzter Nisthöhlen.

 

Hier setzt die Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen nun mit ihrem Projekt an.

Abweichend von der bisherigen Praxis, die Nisthöhlen in größeren Abständen aufzuhängen, wird hier ein gegenteiliger Ansatz ver- und untersucht.

Durch die Erhöhung der Zahl der Bruthöhlen auf kleinstem Raum (jeweils 3 Kästen auf ca. 150 m²) wollen wir das ausgeprägte Revierverhalten der Meisen für unsere Zwecke nutzen. Da Blau- und Kohlmeisen keine gleichartige Meise, wohl aber andere Vogelarten innerhalb ihrer „Reviergrenzen“ dulden, wird der Besatz dieser jeweiligen „Nistkastendreiergruppe“ aus maximal je einem Paar Blau- und Kohlmeisen bestehen, wobei dann der revierbedingt freibleibende dritte Kasten für andere Höhlenbrüter zur Verfügung steht.

 

Statt einer Verdrängung der Meisen durch zeitweises Verschließen der Bruthöhlen bis zum Eintreffen des Schnäppers (teilweise in der einschlägigen Literatur empfohlen), wollen wir dadurch das Nebeneinander der  unterschiedlichen Vogelarten nutzen und fördern. Gleichzeitig wird das Angebot an Bruthöhlen auch für andere Vogelarten verbessert, wie zum Beispiel auch für den gefährdeten Gartenrotschwanz und den Grauschnäpper.

 

Mithilfe des hohen Angebots an Nisthilfen erwarten wir über einen langen Zeitraum eine Stabilisierung bzw. Erholung der Bestände. Positive Erfahrungen liegen hierzu seitens eines unserer Mitglieder vor. Er hat in einem Zeitraum von 3 Jahren an zwei räumlich getrennten Standorten eine Trauerschnäpperpopulation von jeweils 3 – 4 Brutpaaren/ha erreicht, bei zusätzlich mindestens einem Brutpaar des Gartenrotschwanzes.

 

Die „Trauerschnäppermeile“ liegt ca. 1,5 km Luftlinie von einer dieser beiden Flächen entfernt und kann somit einer Erweiterung des vorhandenen Brutbestandes Vorschub leisten.

Das Gelände befindet sich direkt am Rande des Huntetals, am oftmals steilen Übergang zum Geestrücken. Der Bewuchs stellt sich hauptsächlich als Laubwald mit kleinen Nadelholzabschnitten dar. Das Huntetal wird in diesem Bereich mit einer Ausnahme als Grünland genutzt.

Entlang eines hier verlaufenden Sandweges wurden im März 2017 auf einer Strecke von ca. 1 km etwa alle 70 m Dreiergruppen der Nistkästen angebracht.

 

In der Brutsaison 2017 wurden die ersten Trauerschnäpper am 16.04.2017 in Kastennähe gesichtet. Eine Brutkontrolle durch Öffnen der Kästen haben wir im Folgenden nicht durchgeführt. Wir haben uns auf die Beobachtung der Kästen beschränkt. Dabei wurde in der Nähe von sechs Kastengruppen jeweils ein singendes Männchen gehört/beobachtet.

Dies deutet auf einen großen Erfolg unserer Aktion hin!

 

Im Jahr 2018 haben wir eine Erweiterung des Projektgebietes vorgenommen und wurden dabei erneut von der BINGO-Umweltstiftung Niedersachsen finanziell unterstützt.

 

Weitere Informationen zum Trauerschnäpper finden sich unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Trauerschnäpper

http://www.geo.de/natur/oekologie/2344-rtkl-klimawandel-ein-vogel-mit-verspaetung

Das Projekt wird

gefördert durch die

Niedersächsische

Bingo-Umweltstiftung